Der Optical Precision Port
auf dem Prüfstand.

Wenn Unter­was­ser­fo­to­gra­fen über Bild­qua­li­tät sprechen, dreht sich das Gespräch früher oder später fast immer um Objektive, Domeports und Kom­pro­mis­se. Gerade im Weit­win­kel­be­reich ist die Unter­was­ser­fo­to­gra­fie besonders anspruchs­voll, denn selbst sehr gute Objektive, die in Luft her­vor­ra­gend funk­tio­nie­ren, können sich unter Wasser in Kom­bi­na­ti­on mit einem Frontport deutlich anders verhalten. Genau hier wird der SEACAM Optical Precision Port, kurz OPP, interessant.

Er wurde speziell für Weit­win­kel Zoom Objektive berechnet, mit dem Ziel, die Unter­was­ser-Bild­qua­li­tät deutlich zu ver­bes­sern und dabei kleiner und leichter zu bleiben als klas­si­sche Domeports. Die Grund­fra­ge dieses Tests war deshalb einfach: Kann der OPP her­kömm­li­che Frontport-Lösungen in der Praxis tat­säch­lich übertreffen?

Test­auf­bau

Um das her­aus­zu­fin­den, wurde der OPP in einem mehr­pha­si­gen Test unter kon­trol­lier­ten Bedin­gun­gen unter­sucht und mit anderen Front­port­sys­te­men ver­gli­chen, vor allem mit dem fir­men­ei­ge­nen SD Superdome und dem CP Compact Port. Die Ergeb­nis­se beruhen nicht auf ein paar Ein­zel­auf­nah­men oder spontanen Ein­drü­cken, sondern auf einer sys­te­ma­ti­schen Serie von Ver­glei­chen unter repro­du­zier­ba­ren Bedin­gun­gen. In einem eigens ange­fer­tig­ten Testtank wurden speziell ent­wi­ckel­te Test­ta­feln an Wänden und Boden ange­bracht, darunter Git­ter­mus­ter, Sie­mens­ster­ne, Auf­lö­sungs­ele­men­te und weitere optische Test­struk­tu­ren. So ließ sich Schärfe, Ver­zeich­nung, chro­ma­ti­sche Aberra­ti­on, Bild­feld­wöl­bung und Schär­fen­tie­fe kon­sis­tent beurteilen.

Der Test im Detail

Im Zentrum des Tests stand das Nikon 16–35 mm f/4, das als eigent­li­che Refe­renz­op­tik für den OPP diente. Für den Zusam­men­hang war es jedoch ebenfalls wichtig, andere klas­si­sche Weit­win­kel Objektive wie Nikonos 14–24 mm, 18-mm-Objektiv, 16-mm-Fisheye, mehrere Z‑Zooms und vor allem die nativen Nikonos-RS-Unter­was­ser­ob­jek­ti­ve wie das RS 13 mm, RS 20–35 mm und RS 28 mm zu berück­sich­ti­gen. Der OPP wurde also nicht nur gegen gewöhn­li­che Dome-Port-Kom­bi­na­tio­nen getestet, sondern auch im Ver­hält­nis zu einigen der ange­se­hens­ten Unter­was­ser­op­ti­ken überhaupt betrach­tet. Insgesamt umfasste der Test 105 Kamera-/Objektiv-/Port-/Brenn­wei­ten-Kon­fi­gu­ra­tio­nen, jeweils über die ver­füg­ba­ren vollen Blen­den­schrit­te hinweg. Darunter die eigent­li­chen Haupt­ver­glei­che ebenso wie Trocken-Refe­ren­zen und zusätz­li­che explo­ra­ti­ve Versuche.

Die Arbeit gliederte sich in zwei Phasen. Zunächst wurde ein Trocken-Test durch­ge­führt, also mit gleichem Aufbau, aber ohne Wasser und ohne Frontport. Das schuf einen wichtigen Bezugs­punkt dafür, wie sich die Objektive in Luft verhalten. Anschlie­ßend folgte der Unter­was­ser-Test in Süßwasser, bei iden­ti­scher Kame­ra­po­si­ti­on, so dass sich die Wirkung von Port und Wasser klarer beur­tei­len ließ. Während des gesamten Tests blieb die Belich­tung voll­stän­dig manuell und durch­ge­hend ver­gleich­bar. In einigen Ver­glei­chen wurden Weiß­ab­gleich und Tonwerte in Lightroom angepasst, um Trocken- und Unter­was­ser­auf­nah­men in bestimm­ten Eigen­schaf­ten direkter ver­glei­chen zu können. In einigen Fällen wurden außerdem pro­fil­ba­sier­te oder manuelle per­spek­ti­vi­sche Kor­rek­tu­ren ange­wen­det und klar gekenn­zeich­net, aus­schließ­lich um einige End­ergeb­nis­se unter ähnlichen Betrach­tungs­be­din­gun­gen ver­gleich­bar zu machen. Grundlage des Tests blieben jedoch die ori­gi­na­len, unbe­han­del­ten RAW-Dateien.

Gerade dieser Punkt ist wichtig, weil es in der Unter­was­ser­fo­to­gra­fie immer Effekte gibt, die keine eigent­li­chen Objek­tiv­feh­ler sind. Im Fall eines Weit­win­kel­ob­jek­tivs unter Wasser und einer planen Messebene nimmt die Hel­lig­keit zum Rand des Bildes hin stärker ab, einfach deshalb, weil das Licht aus den äußeren Bild­be­rei­chen einen längeren Weg durch das Wasser zurück­le­gen muss, bevor es die Linse erreicht. Das kann auf den ersten Blick ein wenig wie Vignet­tie­rung wirken, ist aber in Wirk­lich­keit eher eine Eigen­schaft des Mediums und der Geometrie als der Optik selbst. Der Test versuchte deshalb, sauber zu trennen, was zur Objektiv-Port-Kom­bi­na­ti­on gehört und was zur Unter­was­ser­fo­to­gra­fie an sich.

Rand­schär­fe

Das Ergebnis war bemer­kens­wert. Mit dem Nikon 16–35 mm im OPP war die Gesamt­leis­tung über alle unter Wasser getes­te­ten Brenn­wei­ten von 16 bis 35 mm besser als mit dem Superdome. In der Bildmitte waren die Unter­schie­de oft gering. Zum Rand hin jedoch, also genau dort, wo viele Unter­was­ser-Weit­win­kel­sys­te­me typi­scher­wei­se Schwächen zeigen, spielte der OPP seine Stärken aus. Er lieferte eine bessere Rand­schär­fe, weniger chro­ma­ti­sche Aberra­ti­on und in den meisten Fällen auch eine geringere Ver­zeich­nung. Bei 24 mm gilt eine kleine Ein­schrän­kung: Die Ver­zeich­nung war im Wesent­li­chen gleich, wobei der SD allen­falls minimal besser wirkte. Die generelle Über­le­gen­heit des OPP blieb davon unberührt.

Das ist deshalb wichtig, weil Unter­was­ser­fo­to­gra­fen ein System in der Praxis selten nach nur einem einzelnen Kriterium beur­tei­len. Eine minimal geringere Ver­zeich­nung bei einer bestimm­ten Brenn­wei­te wiegt weichere Ränder, mehr Farbsäume oder eine insgesamt schwä­che­re Bild­leis­tung nicht auf. In der Gesamt­bild­qua­li­tät erwies sich der OPP als die stärkere Lösung. Er war auch dem Compact Port überlegen, und in direkten Ver­glei­chen war das Nikon 16–35 mm im OPP bei 16 mm und 24 mm sogar besser als das Nikon 14–24 mm im Superdome. Auch das AF-Nikkor 18 mm im Superdome wurde über­trof­fen. Für Foto­gra­fen, die unter Wasser mit einem rek­ti­li­nea­ren Weit­win­kel arbeiten möchten, ist das ein sehr rele­van­tes Ergebnis.

Schär­fen­tie­fe

Zu den inter­es­san­tes­ten Befunden bei den vielen Test­bil­dern gehörte die Schär­fen­tie­fe. Viele Unter­was­ser­fo­to­gra­fen denken bei Ports vor allem an Schärfe und Ver­zeich­nung, doch der OPP beein­fluss­te auch, wie viel vom Motiv akzep­ta­bel scharf blieb. In den Schär­fen­tie­fe-Tests zeigte er bei mehreren Fokus­di­stan­zen Vorteile. Im Vergleich zum gleichen Nikon 16–35 mm in Luft ergab sich im OPP unter Wasser sogar eine größere prak­ti­sche Schär­fen­tie­fe. Das wirkt zunächst wider­sprüch­lich, weil der OPP unter Wasser zugleich zu einer leichten Ver­rin­ge­rung des Bild­win­kels führte. Doch dieser etwas engere Bild­win­kel, kom­bi­niert mit einer flacheren und besser kor­ri­gier­ten Schär­fe­ebe­ne sowie gerin­ge­rer Bild­feld­wöl­bung, scheint dazu geführt zu haben, dass sich die Zone brauch­ba­rer Schärfe weiter in den Raum hinein erstreck­te. Praktisch bedeutet das: Das Objektiv wurde nicht nur am Rand sauberer, sondern in bestimm­ten Bild­be­rei­chen auch tole­ran­ter, in denen Unter­was­ser­fo­to­gra­fen häufig zusätz­li­che Tiefe brauchen.

Im Nah­be­reich wurde das Bild dif­fe­ren­zier­ter. Die Lage der Schär­fe­zo­ne konnte sich in seit­li­chen Bild­par­tien leicht nach hinten ver­schie­ben. Es ging also nicht nur darum, wie groß die Schär­fen­tie­fe war, sondern auch darum, wo sie im Raum tat­säch­lich lag. Trotzdem zeigte der OPP insgesamt ein sehr über­zeu­gen­des Verhalten, und bei kleinen Blenden war es möglich, selbst Objekte extrem nah an der Front­schei­be noch scharf abzu­bil­den. Gerade für kreative Close-Focus-Weit­win­kel-Aufnahmen ist das besonders interessant.

Der Test unter­such­te auch, ob sich die Ergeb­nis­se zwischen ver­schie­de­nen Kameras merklich änderten. Die Nikon D850 diente als Haupt­re­fe­renz, in einigen Fällen wurde aber auch die Nikon Z8 mit denselben Objek­ti­ven über Adapter verwendet. Die Unter­schie­de waren dabei sehr gering. Die Bild­leis­tung im OPP war zwischen beiden Kameras praktisch identisch, wobei die Z8 in manchen Fällen an den äußersten Bild­rän­dern minimal besser wirkte, indem sie dort etwas weniger chro­ma­ti­sche Aberra­ti­on zeigte – sichtbar erst bei 200 % Ver­grö­ße­rung oder mehr. Dieser Unter­schied war so gering, dass er für die meisten Foto­gra­fen kaum aus­schlag­ge­bend sein dürfte. Die Z8 zeigte auch mit dem NIKKOR Z 14–30 mm f/4 S im OPP eine außer­ge­wöhn­lich hohe Schärfe und die geringste chro­ma­ti­sche Aberra­ti­on, aller­dings verbunden mit einer gewissen kis­sen­för­mi­gen Verzeichnung.

Über­ra­schung

Jede Beur­tei­lung von Unter­was­ser-Weit­win­kel­op­ti­ken stößt irgend­wann auf die grund­sätz­li­che Frage: Wie nah kann ein modernes Frontport-System an ein natives Unter­was­ser­ob­jek­tiv her­an­kom­men? Genau hier kommen die Nikonos-RS-Objektive ins Spiel. Diese Linsen wurden speziell für den Einsatz unter Wasser ent­wi­ckelt und genießen ihren legen­dä­ren Ruf nicht ohne Grund. Wie zu erwarten, blieb besonders das RS 13 mm die eigent­li­che Referenz. In der Bildmitte war es schärfer und sauberer als das OPP-Setup und behielt im direkten Vergleich die Oberhand. Dasselbe galt auch im Vergleich zwischen dem RS 13 mm und dem Nikon 16-mm-Fisheye hinter Dome. Die eigent­li­che Über­ra­schung des Tests war jedoch, wie nah der OPP herankam. In einigen Mit­ten­ver­glei­chen an der ISO-Testtafel war der OPP nach Per­spek­tiv- und Ver­gleichs­kor­rek­tu­ren dem RS 13 mm nahezu eben­bür­tig, zeigte aller­dings mehr chro­ma­ti­sche Aberra­ti­on. Das ist bemer­kens­wert, wenn man bedenkt, dass der OPP hier mit einem rek­ti­li­nea­ren Land­ob­jek­tiv arbeitet und nicht mit einer nativen Unterwasserkonstruktion.

Auch die Ver­glei­che mit dem RS 20–35 mm und dem RS 28 mm lieferten wichtige Ein­ord­nun­gen. Bei ver­gleich­ba­ren Bild­win­keln zeigte der OPP in mehreren Situa­tio­nen eine sehr starke Gesamt­bild­qua­li­tät, mit kon­kur­renz­fä­hi­ger oder besserer Leistung am Bildrand. Die nativen RS-Objektive behielten jedoch bestimmte spe­zi­fi­sche Stärken, vor allem in einer gerad­li­ni­ge­ren Abbildung und in manchen Fällen auch in einer etwas höheren Schärfe. Insgesamt bleibt klar: Die RS-Linsen sind weiterhin der Maßstab, aber der OPP kommt ihnen bemer­kens­wert nahe.

Über­zeu­gen­de Leistung

Es gab zudem einige prak­ti­sche Beob­ach­tun­gen, die über reine Test­ta­feln hin­aus­ge­hen. Das Nikon 16–35 mm im OPP verhielt sich unter Wasser deutlich ähnlicher zu seinem Verhalten in Luft, als viele Foto­gra­fen vermuten würden. Abgesehen von einer sehr kleinen Ver­rin­ge­rung der Rand­schär­fe bei offener Blende blieb die Gesamt­wir­kung über­ra­schend nah an der Luft­leis­tung, vor allem ab f/8. Bei f/11 und f/16 erreichte das System ein sehr hohes Niveau über einen großen Teil des Bild­fel­des. Dadurch wird f/11 zur attrak­tivs­ten Allround-Blende, während f/16 sinnvoll ist, wenn maximale Schär­fen­tie­fe gefragt ist. Bei f/22 nahm der Mikro­kon­trast erwar­tungs­ge­mäß sichtbar ab, so dass diese Blende eher für extreme Nah­si­tua­tio­nen als für all­ge­mei­nes Foto­gra­fie­ren geeignet ist.

Mit dem Nikon 16–35 mm f/4 im OPP wurden Split-Level-Aufnahmen ohne luft­sei­ti­ge Vignet­tie­rung ab 21 mm möglich, während dasselbe Objektiv im Superdome dies bereits ab 16 mm erlaubte. Damit verbunden ist aller­dings – oder je nach Motiv viel­leicht sogar als inter­es­san­ter Effekt nutzbar –, dass der OPP in der oberen, luft­sei­ti­gen Bild­hälf­te eine fishe­ye­ar­ti­ge Ver­for­mung an den Bild­rän­dern erzeugt.

Alles in allem ergibt sich aus diesem Test ein sehr über­zeu­gen­des Bild. Der Seacam OPP Optical Precision Port erwies sich nicht nur als brauch­ba­re Alter­na­ti­ve zu einem großen Dome, sondern zusammen mit dem Nikon 16–35 mm f/4 als die insgesamt beste Lösung unter den getes­te­ten Port­sys­te­men. Er liefert eine her­vor­ra­gen­de Rand­schär­fe, geringe chro­ma­ti­sche Aberra­ti­on, gut kon­trol­lier­te Ver­zeich­nung und eine beein­dru­cken­de prak­ti­sche Schär­fen­tie­fe. Und das bei gerin­ge­rer Größe als der Superdome sowie mit einer Leistung, die über­ra­schend dicht an native Unter­was­ser­op­ti­ken her­an­reicht, die bis heute nur schwer zu schlagen sind.

Zusam­men­fas­sung

Für ambi­tio­nier­te Unter­was­ser­fo­to­gra­fen lässt sich die Quint­essenz erfreu­lich einfach zusam­men­fas­sen: Wer unter Wasser mit einem rek­ti­li­nea­ren Weit­win­kel­zoom foto­gra­fie­ren möchte und dabei Wert auf höchste Bild­qua­li­tät bis in die Ränder legt, findet im OPP eine unge­wöhn­lich starke Kom­bi­na­ti­on aus Schärfe, Kontrolle und Pra­xis­taug­lich­keit. Er ersetzt die legen­dä­ren nativen Unter­was­ser­ob­jek­ti­ve nicht, aber ver­schiebt die bis­he­ri­gen Grenzen des Machbaren in der Unter­was­ser-Weit­win­kel­fo­to­gra­fie.  Innerhalb der Welt ter­res­tri­scher Objektive hinter Unter­was­ser-Front­ports belegt dieser Test sehr klar, dass er zu den über­zeu­gends­ten optischen Lösungen gehört, die derzeit verfügbar sind.

 

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Über den Autor

Christoph
Gerigk.

Christoph Gerigk zählt zu den pro­fi­lier­tes­ten inter­na­tio­na­len Unter­was­ser­fo­to­gra­fen. Seit über drei Jahr­zehn­ten verbindet seine Arbeit künst­le­ri­sche Unter­was­ser­fo­to­gra­fie, wis­sen­schaft­li­che Doku­men­ta­ti­on und expe­ri­men­tel­le Bild­pro­duk­ti­on unter anspruchs­volls­ten Bedin­gun­gen. Zu seinen Projekten gehören das Kultbuch Geis­ter­schif­fe, seine lang­jäh­ri­ge Tätigkeit als offi­zi­el­ler Fotograf des Euro­päi­schen Instituts für Unter­was­ser­ar­chäo­lo­gie sowie ein hoch­auf­lö­sen­der Under­wa­ter Digital Twin, der ein ganzes marines Ökosystem in bislang uner­reich­ter Dimension und Detail­fül­le erlebbar macht. Seine Arbeiten wurden mit zwei World Press Photo Awards ausgezeichnet.

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